Interview zum Abschied von Schulleiterin Eva Siglbauer

„Nach 13 Jahren gehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge“

13 Jahre lang leitete Rektorin Eva Siglbauer die Geschicke in der Grundschule Fridolfing und der Mittelschule Salzachtal. Zu ihren Ehren wurde vor kurzem eine feierliche Verabschiedung mit allen Schülern und Lehrern in der Rupertihalle veranstaltet. In einem Interview verrät die charismatische Rothaarige mit dem einnehmenden Lachen private Einblicke über ihren Lebenslauf:

 

Interview mit Eva Siglbauer
Eva Siglbauer wurde am 14. Juni 1954 in Waging geboren. Sie besuchte zunächst die Grundschule in Waging bevor sie dann in die Realschule nach Sparz wechselte. „Danach habe ich ein Jahr gearbeitet, weil mich das Schulegehen nicht mehr gefreut hat. Doch nach diesem Jahr bin ich dann doch reumütig auf die FOS gegangen und habe dort meinen Abschluss gemacht, weil ich wusste, das war noch nicht alles.“ Nach ihrem Abschluss, erzählt Siglbauer, habe sie ein Jahr Sozialpädagogik in Nürnberg studiert. Danach studierte sie drei Jahre Erziehungswissenschaften an der Pädagogischen Hochschule in München. Im Jahr 1977 machte sie ihr erstes Staatsexamen. Nach drei Jahren im Seminar absolvierte sie ihr zweites Staatsexamen. Ihr erstes Jahr nach der Prüfung verbrachte sie an der Schule in Fridolfing, bevor sie die nächsten 17 Jahre an der Mittelschule in Traunreut vorrangig die 7. bis 9. Klassen unterrichtete. „Außerdem durfte ich die erste F10 des Landkreisres in Traunreut unterrichten, die dann in den Folgejahren zur M10 wurde,“ erzählt sie. Im Schuljahr 1997/98 wechselte Siglbauer an die Mittelschule in Waging, wo sie weitere fünf Jahre lehrte. Es folgte eine Bewerbung auf die Konrektorenstelle in Otting-Wonneberg, die sie ein Jahr behielt. Aufgrund einer damaligen Realschulreform wurde diese Stelle jedoch aufgehoben. Deshalb bewarb sie sich an der Grundschule Waging und unterrichtete dort die nächsten zwei Jahre als Konrektorin eine 3. und 4. Klasse. Ihre restliche Amtszeit verbrachte sie dann in Fridolfing. Seit dem Schuljahr 2006/2007 übernahm sie hier die Aufgaben der Rektorin.

Was war für sie das schönste Erlebnis in ihrer Zeit als Rektorin?

Es gab unzählige schöne Erlebnisse. Aber am schönsten war es immer, wenn man bei der Abschlussfeier auf der Bühne steht, und den Schülern ihre Zeugnisse aushändigt. Ich muss immer wieder lachen, wenn man von Schülern dann sogar umarmt wird und sie einem danken, dass man so streng zu ihnen war, damit sie etwas lernen. Mich freut es einfach wahnsinnig, wenn die Schüler ihre Ziele erreicht haben. Aber auch die Übergabe der Schultüten an die neuen Erstklassler, war immer ein besonderes Erlebnis.

Was war das kurioseste Ereignis in ihrer Laufbahn?

Es gab schon einige Situationen, bei denen man einfach den Kopf schütteln musste. Aber am kuriosesten war wirklich, als ich einmal einen Brief von einem Vater erhalten habe, der mir schriftlich erlaubt hat, seinem Sohn eine Watschn zu geben. Er behauptete, dass der das brauchen würde, damit er was lernt.

Welches sind ihre drei besten Errungenschaften an der Mittelschule Salzachtal?

Es freut mich, dass sich die England- und Finnlandfahrten so gut eingespielt haben. Auch auf die Berufs- und Studienorientierung bin ich sehr stolz. Aber am meisten freue ich mich darüber, wie unser Team in Fridolfing zusammengewachsen ist. Hier muss ich ein riesiges Lob an meine Lehrer aussprechen, die immer hinter meinen Ideen standen und stets für neue Sachen offen waren. Ohne dieses tolle Team hätte ich vieles nicht verwirklichen können.

Freuen Sie sich auf den Ruhestand? Was haben Sie jetzt vor?

Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Zum einen bin ich natürlich froh, dass jetzt nicht mehr jeden Tag um 5.30 Uhr der Wecker klingelt. Zum anderen werde ich meine Schule natürlich sehr vermissen. In meinem Ruhestand gehe ich erst mal auf eine Reise. Das habe ich mir selbst zum Abschied geschenkt.

Für welche drei Dinge im Leben sind Sie am dankbarsten?

Für meine Familie. Dann, dass ich nach vielen Rückschlägen immer wieder gesund geworden bin. Und für meinen grundlegenden Optimismus und Tatendrang. Auch wenn das für manche auch mal ganz schön anstrengend sein kann (lacht) – Nicht nur für die Lehrerschaft, sondern auch für meinen Mann. Bei mir muss halt immer was los sein. Auch im Ruhestand.

Welche Entscheidung war die beste, die Sie je in Ihrer Laufbahn getroffen haben?

Dass ich nach Fridolfing gekommen bin.

Welchen Beruf hätten sich Ihre Eltern für Sie vorgestellt?

Mein Papa wollte immer, dass ich in eine Bank gehe. Aber das ging für mich gar nicht. Meiner Mutter war das egal. Sie gab mir nur den guten Rat, dass ich etwas machen sollte, bei dem ich mich und meine Kinder wenn nötig auch alleine ernähren könnte.

Wollten Sie schon immer Lehrerin werden?

Früher habe ich davon geträumt, Archäologin zu werden. Doch dann hab ich mir gedacht, ich muss Lehrerin werden. Und ich wollte nie so ungerecht sein, wie manche meiner Lehrer es waren.

Was war das schönste Kompliment, dass sie je von einem Schüler erhalten haben?

Wir hatten da mal eine Grundschülerin. Die ist mittlerweile auch schon im zweiten Jahr auf dem Gymnasium. Das Dirndl nahm mich eines Tages an der Hand, schaute ganz liebevoll zu mir hoch und meinte: „Frau Siglbauer, i hob di so gern!“ Da muss ich heute noch lächeln, wenn ich daran denke. Das war so unglaublich lieb.

Auf was könnten Sie im Leben nicht verzichten?

Auf meine Familie. Alles andere ist nicht wichtig.

Was war früher Ihr liebstes Schulfach?

Mein Lieblingsfach war immer Geschichte. Später kam noch Englisch dazu.

Welche Entscheidung würden Sie gerne im Nachhinein rückgängig machen?

Keine.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, welche wären das?

Gesund bleiben beziehungsweise wieder vollständig gesund werden. Dass das Verhältnis zu meiner Familie so gut bleibt, wie es ist. Und dass ich finanziell so unabhängig bleibe, wie ich es bin, damit ich mir noch den ein oder anderen Wunsch erfüllen kann.

 

 

 

Ramona Oswald

 

 

 

 

 

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